Der Anlass zur Gründung unseres Vereins war nicht, wie heute üblich, die sportliche Betätigung mit dem Pferde, sondern eindeutig ein religiöser Grund nämlich die Verehrung des hl. Leonhard als Patron der Tiere.In alten Büchern wird erwähnt, dass bereits um 1730 der Leonhardiritt in Lauingen  eingeführt wurde. In den Wirren der Zeiten wurde dann das Umreiten der Kirche durch den Staat verboten.Im Jahre 1929 wurde auf Veranlassung des damaligen Pfarrers Dr.Franz Wilblod  nach 100-jähriger Pause wieder ein Leonhardiritt organisiert  und am Leonhardi-Tag mit 81 Teilnehmern durchgeführt. Das Leonhardi-Komitee richtete dann jährlich den Ritt aus, der jeweils mit dem Umreiten der Leonhardikirche begann und auf dem Marktplatz endete. 1932 stiftete der Handels ­- und Gewerbeverein (das ist heute die Wirtschaftsvereinigung) diese (unsere) Standarte mit der Auflage, sie beim jährlichen Umritt mitzutragen.

Die Standarte wurde entworfen und gemalt von Malermeister Josef Langenmayer und beim Leonhardiritt 1932 mit einem Festzug von 100 Reitern zur Leonhardi-Kapelle gebracht; dort erhielt sie von Stadtpfarrer Dr. Wilbold die kirchliche Weihe.So wurde der Umritt jährlich bis ins Jahr 1939 durchgeführt; in den Kriegsjahren gab es dann aus verständlichen Gründen keinen mehr. In den Jahren 1946 und 1947 nahmen einige junge, vom Krieg heimgekehrte Männer den Brauch wieder auf, wenn auch in sehr kleinem Rahmen. Es kam ihnen dann der Gedanke, daß die Belange des Brauchtums, der Überlieferung und der vielfältigen Aufgabe bei der bei der Durchführung des Leonhardiritt ein Verein viel besser wahrnehmen könnte. Und so taten sie sich zusammen und gründeten am 13.November 1948 den Leonhardi-Verein Lauingen. 31 Männer unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Dr. Franz Späth zeichneten als Gründungsmitglieder. Zum ersten Vorsitzenden wurde Josef Manz gewählt.Im Jahre 1949 fand in Lauingen die erste große Gewerbeausstellug nach dem Krieg statt und der Leonhardi-Verein engagierte sich mit dem Handels - und Gewerbeverein zur Durchführung eines Reit - und Springturniers. Kurz vorher fand in Dillingen ein Ochsenrennen statt, das sehr viele Besucher anzog; nachdem damals schon eine Rivalität zwischen Lauingen und Dillingen vorhanden war, musste hier natürlich auch etwas geschehen, und so fanden am Erntedank fest 1949 die ersten Pferderennen in der Ludwigsau statt. Der Sieger des 1.Rennesn mit mittelschweren Bauernpferden war Michael Hirle auf „Lotte“, das dritte Rennen gewann Xaver Waibel auf „Berta“; auch ein Rennen für Araber Zuchtstuten wurde durchgeführt, das der Polizei - Oberwacht - meister Velten gewinnen konnte.

Der großartige Erfolg war Verpflichtung für den Verein, auch in den folgenden Jahren Reit – und Springturniere mit den dazugehörenden Pferderennen abzuhalten.Unter der Verantwortung der Vorstände Willi Hördegen und ab 1957 von Jakob Baumann waren die Lauinger Turniere beliebt gut besucht von den Teilnehmern des gesamten süddeutschen Raumes. Traber und Galopper von Daglfing und Riem wurden hier an den Start gebracht und Reiterlegenden Fritz Thiedemann und Hans Günter Winkler oder Edmund Müller aus Wehringen ritten auf der Reuthe-Wiese; denn in dieser Zeit war Lauingen neben Nördlingen die einzige reitsportlichen Veranstaltung im gesamtem Raum, nicht so wie heute, wo in jedem Dorf bald ein Turnier stattfindet.Im Zuge der fortschreitenden Organisation des Reit – und Fahrsportes wurde im Jahre 1960 der „Verband der Reit - und Fahrvereine Schwaben“ gegründet;hier war unser Verein als Gründungmitglied dabei. Das zum 25. Verbandsjubiläum an die Gründungsmitglieder überreichte Fahnenband ziert noch heute unsere Standarte.

Insgesamt wurden so 14 Reitturniere in Folge bis 1963 durchgeführt; dann scheiterten sie an finanziellen Gründen, denn die Stadt war nicht mehr bereit, eine Ausfallbürgerschaft zu übernehmen. Der Leonhardiritt wurde jedoch jährlich abgehalten und die in der Umgebung entstandenen Reitvereine kamen gerne hierher, so auch am 4. November 1973 zum 25 – jährigen Bestehen.   Beim seinerzeitigen Festabend nach dem Leonhardiritt konnten noch 14 Gründungsmitglieder geehrt werden, insgesamt waren damals 125 Mitglieder eingeschrieben.1976 übernahm der Verein die Patenschaft bei der Standartenweihe des Reitvereins Land – und Stadtkreis Dillingen in Haunsheim.Das Jahr 1977 brachte dann einen Führungswechsel im Verein:

Jakob Baumann gab nach 20 – jähriger Tätigkeit seinen Rücktritt bekannt. Sein Nachfolger, Josef Bunk, verabschiedete ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorstand.

Bei der Generalversammlung 1978 löste  Andreas Baumgärtner den nicht mehr kandidierenden Vorsitzenden ab und übernahm die Leitung des Vereins. In all den Jahren hielt der Verein an seiner Aufgabe fest, den Leonhardiritt auszurichten; für die Mitglieder gab es jährliche Faschingsveranstaltungen und gut organisierte, teils mehrtägige Ausflugsfahrten, die bei jung und alt sehr beliebt waren, ja bisweilen zum Höhepunkt des Jahres zählten.Auch bei allen öffentlichen Anlässen der Stadt, der Kirchengemeinden und bei Festen der übrigen Lauinger Vereine war eine Abordnung des Vereins anwesen und zeigte damit seine Verbundenheit und Präsenz in der Öffentlichkeit.

Seine 2. Patenschaft übernahm der Leonhardi – Verein bei der Standartenweihe des Reitclubs Holzheim im Jahre 1978.

1979 trat der Verein dem Bayrischen Landessportverband bei; dies bedeutete allerdings auf Verlangen des Sportverbandes eine sportbezogene Namensänderung; seit dem heißt unser Verein:

Leonhardi Reit – und Fahrverein Lauingen;

Im Festjahr der Stadt  Lauingen 1980 organisierte der Verein  als Beitrag zum Jubiläumsjahr ein Reit und Springturnier.

Mehr als 200 Reiter kamen auf das neue, heute noch als solche genutzten Reitgelände am Kesselseil, wo durch viele tatkräftige Mitglieder ein Spring - und Dressurplatz hergerichtet, sowie Hindernisse neu gebaut worden waren.Das war der Widereinstieg  als Veranstalter im schwäbischen Turnierzirkus, der bis heute aufrecht erhalten werden konnte, obwohl aus den eigenen Reihen nur sehr wenig Turnierreiter vorhanden sind.

Ab 1981 Übernahm Johann Käßmeyer zunächst kommissarisch den Vorsitz. Auch er führte die kontinuierlichen Aufbauarbeiten im sportlichen Bereich fort, ohne dabei die traditionellen Verpflichtungen zu vernachlässigen.

In der Generalversammlung des Jahres 1983 erhielt Harald Jeckle das Vertrauen als erster Vorsitzender. Der damals gewählten Vorstandschaft ist es gelungen, für das gesamte Areal des Reitgeländes ein geregeltes Pachtverhältnis mit der Stadt Lauingen zu ereichen; dieses war die Voraussetzung dafür, in den Platz zu investieren, d.h. ihn so herzurichten, daß er den reitsportlichen Zwecken entsprach. Des Weiteren wurde eine für die Durchführung von Veranstalten dringend notwendige kleine Arbeits - und Verpflegungshalle, die auch als Lagerhalle, die auch als Lagerhalle dient, in vielen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden geplant und erstellt.Die nächsten Jahre lief die Entwicklung des Vereins im bisherigen rahmen bis zum Jahre 1988, als man den Entschluss fasste, den Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen und eine Reithalle zu bauen.Das erste war kein Problem, am zweiten, dem Hallenbau, haben wir bis zum letzten Jahr leider vergeblich gearbeitet. Der Höhepunkt des Jahres 1988 war das 40. Vereinsjubiläum. Ein erneuter Führungswechsel rat im Jahre 1990 ein. Unser heute amtierender Vorsitzender, Josef Schnitzler, hat sich breitschlagen lassen und dieses Amt übernommen.1991 wurde erstmals in Lauingen ein Wanderritt mit angeschlossenem Basar veranstaltet. In dieser Zeit war die große Sorge der Vereinsführung der geplante Bau der Osttangente; hier war lange zu befürchten, daß die Straße über unseren Reitplatz führen wurde. Nach Ortsterminen und Besprechungen wurde klar, daß das gesamte Gelände erhalten bleibt, dies war zugleich der Startschuss zur groß angelegten Renovierung unseres Vereinsheimes, das unter immensem freiwilligen Arbeitsaufwand und einiger Kosten zu einem Schmuckkästchen hergerichtet und entsprechend eingeweiht wurde.

Am 8. November des Jahres 1992 feierten wir das 60. Stiftungsfest unserer Standarte, ein herausragendes Ereignis, dem durch die Anwesenheit des Weihbischofs Rudolf Schmid ein besonderer Anstrich verliehen wurde.

Das oft behandelte Thema „Reithalle“ kam 1995 wieder zur Sprache, nach dem uns von offizieller Seite mitgeteilt wurde, daß diese auf dem von uns vorgesehenen Gelände erstellt werden dürfte. Es wurden daraufhin entsprechende Schritte eingeleitet, doch alle war schließlich vergebens, denn eine Baugenehmigung wurde uns verweigert mit der Begründung, die Halle würde das Hochwasser der Donau an seinem Lauf hindern.

Nach dieser Enttäuschung gingen die Aktivitäten wieder auf das bisherige zurück, d.h.  Ausflüge für unsere Mitglieder, ein sich immer mehr etablierendes, das für 10 Jahre Ausrichter einer Teilprüfung des schwäbischen Dressurpokals war, und selbstverständlich Durchführung des Leonhardi-Rittes, auch wenn und in letzter Zeit der traditionelle Termin ausgerechnet durch den Stifter unserer Standarte wegen neuer Ideen streitig gemacht wird. Die Vorbereitungen für das 50. Vereinsjubiläum haben wieder etwas Bewegung in den Verein gebracht und zu gemeinsamen Anstrengungen aufgefordert.Zusammenfassend möchte ich sagen, daß unser Verein mit seinen heute ca.285 Mitgliedern seit seiner Gründung immer seinem Charakter treu geblieben ist, nämlich nicht um seiner selbst willen, sondern für andere da zu sein und etwas zu leisten. Sei es im traditionellen Bereich des Leonhardirittes und der Repräsentation bei öffentlichen Anlässen oder für die Reiter aus nah und fern bei den Turnieren. Dadurch unterscheidet sich der „Leonhardi - Reit – und Fahrverein Lauingen“ von vielen anderen Vereinen und ich kann nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß sich auch in Zukunft immer wieder, wie bisher in dankeswerter Weise geschehen solche Verantwortliche finden, die diese „Institution“ für die Allgemeinheit unserer Stadt, aber auch für unsere Gäste noch möglichst viele Jahre erhalten

CHRONIK